Gabriele Reinhard

Lyriu


Das Lyriu repräsentiert eine von mir aus dem traditionellen japanischen Kurzgedicht (Waka) weiter entwickelte Literaturgattung. Drei Tanka (5-7-5-7-7 Silben), formiert zu einer Haiku-Sequenz unter zusammenfassender Überschrift in einem Nomen, erfahren durch ein übergeordnetes Reimschema und die bewusste Hinwendung zur deutschen Romantik lyrische Komponenten. Stand 01.01.2013: 2 Lyrui

ultimo

heiser behaupten
    spät erst nahend Fröste sich
       wilder Gänse Flug
          hinausgezögert lange
             silbern streift den Horizont.

und die entlaubten
    Riesen klagen bitterlich
       heller Stunden Trug
          küsst’ blutig rot die Wange
             weiland sich Vertrauen sonnt’

die ausgeraubten
    Stunden schimmern feierlich
       Jahr meldet Vollzug
          erfüllt der Tage Schlange –
             dann aufgeht der letzte Mond


Erstveröffentlichung: Bibliothek deutschsprachiger Gedichte, Ausgewählte Werke X, 2007)


Kälte

Winter ist und Nacht
    verankert helle Sterne
       Erdenkleid erstrahlt
          im Staub von Diamanten
             so Spuren still verwehen

Erinnerung tropft sacht
    ins Jetzt und Hier von ferne
       Schatten handgemalt 
          da Bilder einst verbrannten
             der Sehnsucht widerstehen

Eiszeit spielt mit Macht
    versprengter Zeiten gerne
       Worte ausgezahlt 
          den frostigen Bekannten
             bei jenem Wiedersehen


(Erstveröffentlichung "Jokers-Lyrik" 2007)

Lyriu
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